Pfarreiengemeinschaft Kallmünz-Duggendorf
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Wissenswertes » Corona Wortgottesdienst 5. Fastensonntag

Wenn alles aus ist, steh auf und lebe!

Wortgottesdienst mit Kommunionspendung am 5. Sonntag der Fastenzeit A  von Monika Dittmann
 


Einführung
Es gibt Situationen, in denen Menschen aufgeben. Wir kennen das – weil wir uns bis zum Zusammenbruch engagiert haben, und dann klappt nichts.
Oder weil uns eine schlimme Botschaft, eine nieder-schmetternde Diagnose, ein Streit an unüberwindbare Grenzen führen.
Vielleicht haben wir so etwas sogar in der letzten Woche erlebt. Vielleicht hängt es uns schon lange nach. Vielleicht macht etwas ganz anderes uns heute das Herz schwer.
Bitten wir im Kyrie um das göttliche Erbarmen und Seine Gegenwart in unserem angefochtenen Leben.
 
Kyrielitanei
GL 157: Herr, erbarme dich
Herr Jesus Christus,
auferstanden von den Toten, erbarme dich, wenn wir niedergeschlagen sind und an deiner Treue zweifeln. – A: KV
Jesus Christus,
du sitzt zur Rechten des Vaters, erbarme dich, wenn wir enttäuscht sind und nicht mehr glauben können. – A: KV
Jesus Christus,  du wirst kommen am Ende der Zeit, unser Leben wieder herzurichten, erbarme dich, wenn wir in der Liebe versagt haben und darüber verzweifeln. – A: KV
Christus, der Herr, er erbarme sich unser,
er gehe mit uns den Weg des Lebens und richte uns auf zu einem neuen Leben. – A: KV

Gebet
Gott des Lebens,
wir leben gerne. Und doch drückt uns die Last des Lebens nieder.
Wir sehen keinen Ausweg aus Not und Verzweiflung,
mit kleiner Kraft und schwacher Hoffnung schleppen wir uns zu dir.
Wir wollen dir vertrauen, hilf uns.
Wir wollen auf dich hören, öffne uns das Herz.
Wir wollen leben, lebe du das Leben mit uns.
Das erbitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und liebt in Ewigkeit. Amen.
 
Ansprache
„Aussichtslos! Jetzt ist alles aus. Keine Hoffnung mehr. Nichts geht mehr. Aus und vorbei. Das war‘s.“ So sprechen Menschen, die am Ende ihrer Hoffnungen sind. Das ist mehr als Resignation. Das ist Aufgabe aller Hoffnung, Aufgabe des Lebenswillens, Aufgabe seiner selbst. Hingabe an das Nichts. Es gibt keine Vorstellung mehr, wie es weitergehen könnte. Man sitzt fest in dem Gedanken, dass nichts mehr geht. Ist kein bisschen offen dafür, dass das Leben doch weitergehen könnte, ganz anders vielleicht …
 
Wer sich Jesus anvertraut, bekommt neue Perspektive
Im Evangelium von den trauernden Schwestern, für die alles aus ist, erleben wir: Für Gott kann es weitergehen. Wer sich Jesus anvertraut, der bekommt eine neue, bislang vielleicht völlig unbekannte Perspektive. Wer sich auf Jesus verlässt, der sieht weiter, sieht mehr, sieht über die Aussichtslosigkeit hinaus.
 
Trauen wir Jesus zu, dass er in unserem Alltag den neuen Blick, neues Leben, neue Lebendigkeit, neue Wege eröffnen kann? Dass durch ihn Lebenskräfte zurückkommen, dass wir wieder auf die Beine kommen? Dass nicht alles aus ist? Dass es weitergeht, wenn auch anders? – Wer glaubt, muss nicht verzagen und nicht aufgeben.
Wenn Jesus von sich sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“, dann meint er nicht zuerst ein Leben nach dem Tod. Er will uns sagen: Schaut auf mich: Ich stehe immer wieder auf, wenn ich am Boden bin, wenn ich angefochten und erniedrigt wurde. Ich schaue nach vorne, auch wenn es noch so aussichtslos scheint. Ich schaue immer wieder zum himmlischen Vater – das gibt mir die Kraft zum Leben – und zum Leiden. Das ist mehr als ein vages „Prinzip Hoffnung“!
 
Mehr als ein „Prinzip Hoffnung“
Wo das Prinzip Hoffnung und das allgerühmte „positive Denken“ aufhören, da beginnt der lebendige Gott. Positives Denken holt die Kraft aus sich selbst. Das hält auf Dauer nicht stand. Die Hoffnung aber, die wir auf Gott setzen, verlässt sich auf die Lebenskraft des einen Gottes.
„Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!“, sagt der Volksmund. Und: „Der Mensch denkt, Gott lenkt!“ Dahinter steckt eine große Wahrheit: Wenn wir uns nicht nur auf uns selbst verlassen, sondern über uns hinaus der göttlichen Lebenskraft trauen, dann sind wir noch lange nicht am Ende, wenn unsere eigenen Möglichkeiten zu Ende sind.
Dass Lazarus aus dem Grab herauskommt, sagt uns: Steh auf, tritt heraus aus deinem Grab der Angst, der Resignation und der Hoffnungslosigkeit. Tritt heraus aus der Dunkelheit, die dich umgibt, und gehe Jesus entgegen. Mit ihm kannst du weitergehen – mit deinen Sorgen, mit deinen Fragen, mit all den Unsicherheiten des Lebens. Das ist schon österliche Botschaft – Vorgriff auf Jesu Auferstehung.
 
Aufstehen, auferstehen
Jesus hat dies offenbar gemacht am Grab des Lazarus kurz vor seinem eigenen Leiden. Er verkündet damit, dass sein Weg durch den Tod ins neue Leben mehr ist als die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Es ist die Botschaft vom Aufstehen-Können. Jesus ermutigt uns aufzustehen, wenn wir noch so weit unten angekommen sind; wenn es noch so dunkel, noch so traurig, noch so perspektivlos ist. „Aufstehen“ ist im biblischen Text das gleiche Wort wie am Ostersonntag. Wo wir „Auferstehung“ sagen, da steht im Urtext: „Er stand auf.“
Jesus lebt den Aufstand gegen alles, was uns die Lebenskraft raubt. Wenn wir ihm trauen, brauchen wir nie mehr „aus und vorbei“ zu denken oder zu sagen. Diese Botschaft am Grab des Lazarus und an Ostern hat ihre Wurzeln in der Heiligen Schrift des Judentums. Eine Ahnung davon haben wir in der Lesung bekommen:
 
Jesus steht auf dem Fundament des Judentums
Ezechiel ist ein Priester und Prophet, der Ende des sechsten Jahrhunderts vor der Zeitenwende in der Verbannung in Babylon gewirkt hat. Er spricht mitten hinein in die Aussichtslosigkeit seines Volkes. Wir hörten einen Ausschnitt aus der Vision von der Erweckung der Toten. Die Hoffnungslosigkeit seiner Volksgenossen, die nicht mehr glauben können an eine Heimkehr, an eine Zukunft als Volk und für Jerusalem, wird mit verdorrten Knochen auf einem alten Schlachtfeld verglichen. Der Geist des Ewigen – des „Ich-bin“ – ruft zu neuem Leben, er erschafft sein Volk neu. Der Prophet versucht, den Blick der Hoffnungslosen auf Gott zu richten. Wo menschlich gesehen alles zu Ende ist, kann Gott neues Leben schaffen über all unser Erwarten hinaus. Diese Hoffnung verbindet Juden und Christen, sie macht uns Christen aus: Wir sind nicht dem Schicksal ausgeliefert. Sind nicht am Ende, wenn es zu Ende geht, wenn alles am Ende zu sein scheint. Wir sind in Gottes Obhut. Gott weiß immer einen Weg, der weiterführt – manchmal anders, als wir uns das vorstellen. Aber immer so, dass es gut für uns ist.
 
Wir sind nicht am Ende, wenn alles zu Ende geht
Wer aus diesem Vertrauen lebt, braucht sich nicht in Sorgen zu zerfleischen. Wer in diesem Vertrauen lebt, muss auch in gesellschaftlich schwieriger Zeit nicht in Schockstarre verfallen oder sich populistischen Reden anschließen, Angst verbreiten und die bestehende Ordnung infrage stellen. Wer aus diesem Vertrauen lebt, muss in Krankheit, mit einer plötzlichen schlimmen Diagnose oder wegen einer furchtbaren Nachricht nicht verzweifeln.
„Nichts soll dich beunruhigen, nichts muss dich ängstigen, wer Gott hat, dem fehlt es an nichts. Gott allein genügt“, sagt die heilige Teresa von Avila. Wir widerstehen dem Bösen und allem Schweren, indem wir hoffen, indem wir vertrauen, uns Gott anvertrauen. Indem wir auf Jesus schauen – er ist der Aufstand gegen jedes „Aus und Vorbei“. Er ist das Leben.
 
Fürbitten
Unsere Rede sei nicht „aus und vorbei“, sondern „Gott, du weißt weiter, wo ich nicht weitersehen kann.“ Mit unserem kleinen Glauben bitten wir Christus, den Auferstandenen:
  • für alle, die keinen Ausweg mehr sehen aus ihren Sorgen und Nöten: Wende ihr Herz dir zu, dass sie von Neuem vertrauen können und sich nicht aufgeben.
  • für alle, die auf der Schattenseite des Lebens stehen: Schenke ihnen Menschen, dass sie nicht alleine sind auf ihrem Lebensweg.
  • für alle, die in ihrer Ratlosigkeit falschen Propheten und irrigen Worten folgen: Weite ihren Blick, dass sie über ihre Enttäuschungen hinaus weitersehen können.
  • für alle, die den Tod fürchten als Feind des Lebens: Erhelle ihre Dunkelheit, dass sie hoffen können auf dich, den Erlöser.
  • für alle, die in diesen Tagen sterben: Rufe sie aus dem Tod heraus, dass sie leben mit dir in Ewigkeit.
Bei dir, Gott, versandet kein Leben, alles willst du zur Vollendung führen. So hat uns dein Sohn zu beten gelehrt, und mit seinen Worten wollen wir sprechen: A: Vater unser …

Lobpreis über dem eucharistischen Brot
KV: Nada te turbe
 
Treuer Gott,
als die Menschheit in Sünde und Ungerechtigkeit ertrank, hast du Noach erwählt.
Er war Zeuge dafür, dass Gott neues Leben ermöglicht, wo Menschen scheinbar das Ende herbeiführen.
Über alles menschliche Scheitern hinaus bist du treu.
Das gibt auch uns heute Hoffnung. – KV
 
Als dein Volk in Bedrängnis war, hast du ihm Propheten gesandt, es aufzurichten.
Sie bezeugten, dass Gott neues Leben schafft, wo der Mensch am Ende ist.
Über alles menschliche Erwarten hinaus bist du da.
Das gibt auch uns heute Hoffnung. – KV
 
Als die Schwestern des Lazarus nur das Ende sahen, hast du ihnen Jesus zur Seite gestellt.
Er bezeugte ihnen, dass das Leben weitergeht, wo Menschen scheinbar am Ende sind.
Über alle menschliche Verzweiflung hinaus bist du da.
Das gibt auch uns heute Hoffnung. – KV
 
Als dein Sohn in der Wüste an den Rand seiner Kräfte geführt wurde, hast du ihm Engel gesandt.
Sie dienten ihm, dass er durchhalten konnte, wo er in Bedrängnis und Versuchung geriet.
Über alle menschliche Versuchung hinaus bist du stark, wenn wir schwach sind.
Das gibt auch uns heute Hoffnung. – KV
 
Als dein Sohn am Kreuz starb, hast du ihn nicht verlassen – auch, wenn er in Verzweiflung aufschrie.
Du hast ihn durch den Tod zum Leben geführt, dass alle Welt erkennt:
Jesus ist das Leben; wer ihm vertraut, muss nicht aufgeben.
Über alle menschliche Angst und Verlassenheit hinaus bist du da.
Das gibt auch uns heute Hoffnung. – KV
 
Als dein Sohn den Tod vor Augen hatte, hast du ihm eine bleibende Perspektive gegeben:
So hat er das Mahl gestiftet, das uns für immer in deiner Nähe hält.
Über alle Sterblichkeit hinaus bist du gegenwärtig im Brot, das er selbst uns bricht.
In diesem Brot empfangen wir all die göttliche Stärke und Zuversicht,
die auch deinen Sohn bis zuletzt getragen und durch den Tod zum neuen Leben geführt hat.
 
Er ist unser Leben,
er ist das Brot, das Leben nährt,
er ist das Lamm, das sich ganz und gar hineingibt in das menschliche Leben und Leiden und Sterben.
 
Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Not der Welt.
A: Herr, ich bin nicht würdig …
 
Meditationstext
Fürchte dich nicht
vor der Nacht –
hinter ihr umarmt dich der neue Tag.
 
Erstarre nicht
vor der Finsternis –
nach ihr leuchtet dir Klarheit ein.
 
Erstarre nicht
angesichts des Berges –
hinter ihm weitet sich neues Land.
 
Resigniere nicht
unter der großen Last –
indem du sie trägst, wird sie dir leicht.
 
Fürchte dich nicht
vor der Niederlage –
lebe den Aufstand zum neuen Leben.
 
Fürchte dich nicht
vor deinem Ende –
es eröffnet dir die Heimat bei Gott.
 
Schlussgebet
Treuer Gott, wir danken dir für dein Wort und deine Speise,
für die Gemeinschaft des Glaubens und deinen Segen.
Wir dürfen weitergehen, dürfen in der kommenden Woche von Neuem versuchen, dir mehr zu trauen als den Menschen;
dürfen es wagen uns mit allen Momenten unseres Lebens dir anzuvertrauen.
Du bist ein Gott des Lebens, bei dir gibt es kein Scheitern, kein ewiges Aus. Das macht uns Hoffnung. In dieser Hoffnung gehen wir weiter.
Dir sei die Ehre jetzt und in Ewigkeit. Amen.
 
Schlusslied
GL 456: Herr, du bist mein Leben
 
 
letzte Änderung: 28.03.2020